Pantomime

 

 

im 

 

Straßencafé

 

 

E R Z Ä H L U N G

 

So da hätten wir ihn nun endlich den lang erwarteten Hochsommer, super Wetter Sonne pur und nicht das kleinste Wölkchen weit und breit im fröhlichen Azurblau auszumachen! Zeit und Muße für einen beschaulichen Besuch im Lieblings-Café und die Vorfreude ist auch schon riesengroß. Daneben steht einem spontanen Kuchenschmausvergnügen nichts entgegen. Also fix Schuhe an und nix wie los! Erwartungsvoll und auch recht schnell einen angenehmen Sitzplatz gefunden und flux die Kuchenbestellung geordert und hey da ist sie ja auch schon. Denke so vor mich hin, eh heute läuft das ja alles wie geschmiert. Ja! Ja gäbe es denn da nur nicht diese ganz speziellen Spezies, bekannt unter dem lateinischen Namen Vespula vulgaris, im Volksmund kurz „gemeine Wespe“! Trifft Besagte Vespula vulgaris auf einen arglos Kuchenverspeisenden Homo sapiens, jumpt dieser ad hoc aus seiner Sitzgelegenheit hoch und schlägt plötzlich wie von Sinnen wild um sich mit dem weniger erfolgreichen Effekt, dass die Attacke des allzeit kampfeslustigen Insekts noch intensiver wird. Bemerkt der Kundschafter er kommt durch die menschlichen Fisimatenten seinem Auftrag Nahrung zu beschaffen nicht nach, düst er ab, und alarmiert die offensive Verstärkung. Caramba Mia, dann geht das wilde gefuchtele des mittlerweile an Muskelkater leidenden Caféhaus Besuchers erst so richtig los. Dieses äußerst groteske Schauspiel empfinde ich durchaus als sehr erheiternd, mal was Neues: „Pantomime im Straßencafé.

 

 Gegen die oft vorherrschende Marktplatzpantomime habe ich in privaten und intensiven Balkon-Studien meine eigene Verteidigungsstrategie entwickeln dürfen.

 

Fazit:

Braust also so ein schwarz gelb gestreifter Kundschafter im Tiefflugmodus vorbei, sie schicken immer welche, checkt der die aktuelle Futter-Lage gründlich ab, indem er so tut als interessiere ihn mein Pflaumenkuchen mit einem deftigen Sahnehäubchen nicht die Bohne. Aber aus seinem erregten Stotter Flug wird dem bereits misstrauischen Beobachter sofort klar, hier zieht der fündig gewordene Kollege mit seinen Facettenaugen die fette Beute scharf und checkt hocherfreut, Yep - hier gibt es was zu holen - und Freunde nicht so knapp.

 

  Um meinen köstlichen Lockvogel-Kuchen zu erretten und um damit dem wild umherschwirrenden Kollegen klar zu signalisieren: „Hey, Freundchen dieses Teil is leider nix 4 you,“ versuche ich als geeignete Gegenmaßnahme erstmal ganz cool und innerlich tieferentspannt den Blick-Kontakt mit dem verdutzten Kuchenfinder aufzunehmen. Grundvoraussetzung für ein Gelingen dieser Aktion ist zu signalisieren, hallo Kumpel ich habe null Angst vor dir und stoße, wie auch du wahrnimmst, keinerlei Angstpheromone aus.

 

Heureka, eins zu Null für den Homo-Süßmaul-Faber.

 

  Also schiebe ich Vorsichtig den furchtlosen Späher mit meiner Innenhandfläche etwas weg von mir, und rede ihm ein: „Ei Kollege du bist doch auch nur ein ganz gewöhnliches mit Wesen, welches oft wie auch ich, sich im Supermarkt auf Futtersuche befindet. Klaro, da will ich ja auch nicht einfach so klatsch mal Zack erschlagen werden!“ Denn Wespen wollen eigentlich, in ihrer kurzen Lebenszeit, auch nur ein gutes Leben haben, denke ich. Immer verscheucht und dann möglicherweise auch noch zu unappetitlichem Mus zerquetscht zu werden, gehört auch nicht gerade zu ihrer täglichen Lieblingsbeschäftigung.

 

 Heureka, zwei zu Null für den Homo-Süßmaul-Faber.

 

  Hin und wider ist dann die Folge meiner Anstrengungen , dass sie plötzlich keinen Angriff mehr auf mich fliegt und sich dumpf brummend und Flügelzuckend verzieht um ein anderes Opfer zu nerven. Somit ist die gesamte Situation urplötzlich entspannt und dem ungestörten Kuchenschmaus steht nichts mehr im Wege.

 

Aber zu Bemerken wäre dann doch auch dass noch!

Selbstverständlich gibt es auch im gesamten Vespula Reich, wie auch bei uns, einige konfliktbereite aggressive Machos, die partout nicht kooperieren wollen und dem Homo-Schmagofazensis zeigen wollen wer hier der Chef am Stachel ist. Nun dagegen gibt es nur eine einzige Verteidigungsstrategie, man muss klare Kante zeigen und sofort das grimmigste Gesicht ever zur Schau stellen, ähnlich wie die Maori in Neu Seeland beim ihrem rituellen "Haka-Tanz" und flux dieselbe furchteinflößende Kamphaltung einnehmen. Bewaffnet mit einem ca. 30 cm langen transparenten Plastiklineal stellt sich der genötigte Kuchenverteidiger nun zum Kampf, um dann mit einem gezielten und genau getimten Lineal-Schnalzer, den uneinsichtigen Aggressor so ca. 3-5 Meter aus dem Kampfgebiet zu katapultieren. Dieser Gong muss perfekt sein und wirklich auch auf Anhieb sitzen! Ausgucken, zielen und – peng! Dabei darfst du dir keine Fehlschläge erlauben, sonst kann es durchaus auch gefährlich werden. Aber bekommt sie solch einen satten Kick-off ab, unterstützt durch deine angsteinflößende Maori-Mimik, Tenor: "Hey Dumpfbacke dies war nur eine klitzekleine Warnung von der noch immer sehr kampfbereiten Sahnekuchenmacht", wenn du also das aber noch nicht kapiert hast und deinen blöden Stachel auf mich ansetzen möchtest, dann nimm dass, Zack: "Schnalz-Peng!"

Denn ich kenne kein Erbarmen wenn es um meinen Sahne-Kuchen geht und mache, dem BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) zum Trotz, dich auf der Stelle platt!

 

  Was des Öfteren auch noch vorkommen kann ist, wenn sich die geschasste nach dem „himmlischen“ Gong wieder aufgerafft hat, testen sie uneinsichtig die Situation erneut und in verstärkter Intension aus. Dann sollte der Kampf abermalig aufgenommen werden. Der nächste Gong muss noch beeindruckender und gewaltiger ausgeführt werden. À la Tennis-Aufschlag von Roger Federer! Spätestens dann haben es die meisten kapiert und machen sich im Hochgeschwindigkeitsmodus mit einem wütenden Brummen aus dem langsam herniedersinkenden Sahnestaub. Ich denke sie hatte gerafft, dass mit dem kampfeslustigen Futterbesitzer nicht zu spaßen ist. Mit dieser Botschaft im Gepäck zeigt sie plötzlich kein Interesse mehr an deinem Sahnekuchen und rauscht desillusioniert von dannen. 

 

Die biegsame Macht der Polypropylene sei "hoffentlich" immer mit dir!

© 2026 by Rainer Karl Westerfeld