"WINTERTIME IM SCHLÜSSELLOCH"!



Vor einigen Monaten, es muss so Mitte Oktober, Anfang November gewesen sein, hörte ich tief in der Nacht ein kurzzeitig lautes hektisches flattern eines, meiner Wahrnehmung nach, recht großen Insektes in meinem Zimmer. Erschreckt aber doch sehr neugierig sprang ich mutig auf, ergriff die Taschenlampe und begab mich auf die Jagd. Ich leuchtete, suchte und leuchtete usw. nach ca. 10 - 15 Minuten intensiver Suche, ich hatte schon schiss meine Nachbarn würden einen Einbrecher vermuten und die Polizei rufen. Deshalb beendete ich leicht verwirrt die Aktion und begab mich, etwas frustriert, wieder in mein Bett. Am nächsten Morgen kam der nächtliche Vorfall etwas diffus und Traum-schwer daher und ich hatte den Vorfall dann auch schnell wieder vergessen.

 

  In der folgenden Nacht dasselbe Prozedere, wieder flatterte ein Insekt laut irgendwo in meinem Zimmer umher und ich konnte es auch dieses Mal nicht aufspüren, es war zum Mäusemelken.

So ging es drei Nächte lang und in der vierten Nacht plötzlich Stille, kein lautes geflattere mehr, nichts, endlich Ruhe.

 

 Ich hatte schon auf nächtliche halluzinogene Wahrnehmungen spekuliert und verschämt nach einem Psychotherapeuten gegoogelt.

 

  Mit der Zeit geriet die nächtliche Flatterarie in unterschwellige Vergessenheit und das sei auch gut so, dachte ich! Aber ich hatte, wie schon des Öfteren, die Rechnung ohne meinen Wirt gemacht, denn so richtig ad acta gelegt hatte ich den nächtlichen Vorfall denn doch nicht so ganz und die Ungewissheit rumorte in meinem Unterbewusstsein stetig weiter. Die folglich rudimentäre Frage: "Was, um alles in der Welt, könnte das denn wohl nur gewesen sein"? Da ich ja, trotz intensiver Suche, für das nächtliche Intermezzo irgendwie keinerlei schlüssige Erklärung gefunden hatte und das Wurmt dann doch den Perfektionisten - sehr.

 

 Aber siehe da, eines sonnigen Wintertages im Dezember der folgenden Jahres, geschah etwas total Außergewöhnliches mit mir! Auf meinem gewohnten morgendlichen, etwas unsicheren, Weg ins Badezimmer, änderte ich spontan den Kurs und steuerte stattdessen direkt die Wohnzimmertüre an. Verblüfft realisierte ich äußerst kritisch, wie ich mich niederbeugte um ohne jeglichen Anlass gezielt das Schlüsselloch intensiv zu fixieren. Sapperlot, welche normales Erdenbürgerlein kommt denn schon auf solch eine abgefahrene Idee, und dass auch noch im Winter?

 

  My goodness, ich bin fast Drogen frei (außer Unmengen an Schokolade) rauche nicht und trinke außer Wasser und Kaffee auch sonst nix!

 

  Aber - zu meiner totalen Irritation, sah ich -blinzel-blinzel-, ein stattliches mausgraues Wesen in "meinem" Schlüsselloch sitzt, liegen, oder stehen? Keine Ahnung jedenfalls gab es da, im Schlüsselloch, ein unbewegliches dickes graues Dings mit großen Augen und langen Fühlern. Nun doch irgendwie leicht konfus, nahm ich es aber dann doch ohne große Aufgeregtheit einfach zu Kenntnis, schüttelte verwundert mehrmals mein doch leicht verwirrtes Haupt.

Dabei wurde mir klar, da hat sich doch heimlich aber nicht offensichtlich, ein äußerst kluges Wesen sauber versteckt und schlief. Da es nicht gefährlich schien oder sonst irgendwie bösartig anmutete, ließ ich es in Ruhe weiter Schlafen, denn es schnarchte ja auch nicht.

 

 Aber auf die glorreiche Idee, dass mein Schlüssellochmonsterchen der Grund des nächtlichen Geflatters gewesen sein könnte, kam mir nicht in den Sinn. (Synapsen Blockade?)

 

01.02.2020 ca. 09:30h!

Noch etwas leicht verträumt öffnete ich die Tür zum Bad, ..... und holla die Waldfee, sitzt da doch tatsächlich ein beträchtlich mausgraues Falterchen dort auf der Fensterbank und schaut mich keck mit großen fragenden Augen an. Dann hob es plötzlich ab, flog einen großen Bogen und knallt volle Kanne gegen das Fensterglas - und er dann, .... Flatter, Flatter - und ich dann, .... ohoo (Osram eine ganze Fabrik), dass Geräusch kennst du irgendwie doch schon. Da die spontane Flugeinlage unmissverständlich war und als klare Botschaft bei mir ankam, öffnete ich flugs das Fenster und ..... Schwupps weg war es.

 

Sachen gibt’s!

 

 Mit einem vorausahnenden Schmunzeln aber doch auch skeptischem Blick, bewegte ich mich schnurstracks auf "mein" Schlüsselloch zu und kroch schier voller Neugierde fast hinein, -blinzel, blinzel:

 

"LEER"!

 

  Erhellend aber doch auch erstaunt konnte ich wohlwollend realisieren, dass solch ein simples Schlüsselloch doch auch ein hervorragendes Winterquartier sein kann!

 

Fazit:

 Erstklassige Wahl, immer schön trocken und mollig warm plus super Sound aus guten Boxen,

- Falterherz - wat willsde mehr?!

 

  Lieber Mitbewohner, dein nun fröhlicher "Gastwirt" wünscht dir eine fantastische Reise, kreuz und quer durch einen warmen und sonnigen Frühling!

 

Mein kluger Mitbewohner in seinem "Schlüssellochhotelzimmerchen" hört auf den beeindruckenden lateinischen Namen: 

„Macroglossum“ oder auch „Taubenschwänzchen“ und gehört zur Gattung der nachtaktiven Schmetterlinge.

 

© by Rainer Karl Westerfeld, Februar 2020